Unser Kakteen-Ratgeber

Hallo Kakteenbegeisterte und Neueinsteiger,

das Thema Pflege der Kakteen ist so umfangreich und wird immer wieder neu diskutiert.

Es wurden hierzu schon ganze wissenschaftliche Abhandlungen geschrieben und ich will es vermeiden auch auf diesen Zug zuspringen.

Die meisten dieser sogenannten Ratgeber verwirren den Anfänger nur und helfen nicht wirklich weiter. Ich gehen mal davon aus das Profis auf diesem Gebiet sowieso keine Hilfe mehr benötigen, was aber im strengen Sinn ein Ratgeber ja sein sollte, deshalb richte ich diese Zeilen bewusst an Neueinsteiger und Anfänger.

Ja man kann schon viel falsch machen, aber es nicht so, dass man mit der entsprechenden Liebe und etwas Fingerspitzengefühl nicht auch schöne Kakteen besitzen bzw. pflegen kann.

So jetzt mal zur Praxis, das Kakteen sonnenliebende Pflanzen sind ist schon mal eine Tatsache die jedem bewusst sein muss. Wer hier meint Kakteen sind reine Deko-Objekte ist schon auf dem falschen Weg und kann langfristig nur scheitern.

Kakteen lieben einen sonnigen Standplatz, also ist schon mal der optimal Platz eine der Grundbedürfnisse die man erfüllen muss. Südseite wäre gut muss aber nicht unbedingt sein. Es sollte zumindest gewährleistet sein das die Pflanzen zumindest einige Stunden am Tag Sonne bekommen.       

Dazu muss man unterscheiden welche Pflanzen man hat. Bei mexicanischen Pflanzen so viel Sonne wie nur möglich, bei den Südamerikanern kann es auch etwas weniger Sonne sein. Die Südamerikaner sind zum Großteil auch eher auch für eine Fensterbrettpflege geeignet. ( Zum Beispiel Rebutia, Notocactus, Weingartia, Gymnocalycium etc. ). Optimal für alle Kakteen wäre zwar ein Gewächshaus was aber natürlich nicht jeder hat. Man kann aber auch mexicanische Kakteen auf dem Fensterbrett pflegen, wobei ich dann hier aber eher zu gepfropften Pflanzen raten würden da diese bei weitem nicht so empfindlich sind wie die wurzelechten, genauso schön blühen und auch mal einen Pflegefehler verzeihen.

Das nächste Thema ist die Kakteenerde. Von den fertigen Mischungen die im Baumarkt angeboten werden raten ich grundsätzlich ab, da hier nur eine paar Körnchen Perlite mit normaler Blumenerde gemischt wird. Diese Erde ist absolut ungeeignet für die Pflanzen. Sicher vertragen einige Pflanzen dieses Gemisch gut, was aber nicht heißt das es den Pflanzen gefällt, sonder dass die Pflanzen nur sehr anpassungsfähig sind. Die meisten so kultivierten Pflanzen haben nur ein sehr ungenügendes Wurzelwerk und werden durch den Torf nur unnötig getrieben was diese dann aber auch sehr anfällig für Krankheiten, tiefe Temperaturen, Ungeziefer und Pilze macht. Ich will hier keine Vorträge über PH - Werte etc. halten. Eine gute Standartmischung aus Lava, Bims und etwa 20% guter Blumenerde ist für ca. 70% aller Kakteen eine gute Ausgangsbasis. Man muss da keine Wissenschaft daraus machen, sicher wird der eine oder andere jetzt sagen... da gehört ja noch das oder dieses rein....mag schon sein das man immer noch etwas verbessern kann aber was entscheidend ist das die Zutaten relativ leicht zu beschaffen sind und dass das selbe Substrat bei allen Pflanzen auch gleich schnell wieder abtrocknet. Auch wir verwenden diverse Zuschlagsstoffe was aber den Anfänger nur wieder verunsichern würde und auch nicht zwingend nötig ist. Bei mexicanischen Kakteen einfach den Erdanteil weg lassen und diesen durch Tongranulat oder Semiramis ersetzen und schon haben wir auch hier eine vernünftige Mischung die ihren Zweck erfüllt.

Nun zum düngen und gießen...., viele Menschen glauben immer noch Kakteen brauchen kaum Wasser, das ist einer der größten Irrtümer der in den Köpfen der Leute steckt die sich nicht wirklich mit dem Thema befassen. Natürlich können diese Pflanzen lange ohne Wasser überleben, aber wenn die Pflanzen gut wachsen und schön sein sollen wollen Kakteen auch regelmäßig gegossen und gedüngt werden.  Kakteen haben eine Ruhezeit von ca. Oktober  -  März, in dieser Zeit sollten die Pflanzen hell und kühl ( bei ca. 8 - 12Grad ) überwintert werden, in dieser Zeit sollten die Pflanzen gar nicht gegossen werden. Während der Wachstumsphase von April bis ca. Mitte Oktober wollen die Pflanzen wöchentlich Wassergaben ( hierzu kommt noch eine Anmerkung weiter unten ). Die Übergangszeit von der Winterruhe in die Wachstumsphase ist sowieso die gefährlichste Zeit für die Pflanzen deshalb sollte ab März, wenn die Tage länger und wärmer werden, zuerst mal mit lauwarmen Wasser gesprüht werden ( natürlich nur an warmen Tagen ) bis die Pflanzen die ersten Wachstumszeichen an den Tag legen.  Nach ca. 2-3 Wochen kann dann auch vorsichtig angegossen werden. Nun zu der Sache mit der Anmerkung oben. Das Gießverhalten muss sich natürlich auch nach dem Wetter richten, es sollte sich von selbst verstehen das man an kalten Tagen oder bei Kaltwetterperioden das gießen komplett einstellt und die Pflanzen erst wieder Wasser bekommen wenn das Wetter beständig warm ist. Wir verwenden unseren eigenen Volldünger ( den wir auch im Shop anbieten) bei jedem gießen ( Ausnahme das erste angießen im Frühjahr ). Das Geheimnis hier ist das entsprechende Mischungsverhältnis, wir empfehlen regelmäßig zu düngen aber eine sehr geringe Dosierung von 10ml auf 10Liter Wasser, was die Pflanzen immer gleichmäßig mit den nötigen Nährstoffen versorgt, diese aber nicht zu stark antreibt. Im Laufe der Jahre haben wir so die besten Ergebnisse erzielt und können es nur jedem empfehlen.

Jetzt noch zu den Töpfen, sicher sind für viele Menschen Ton.- oder Keramiktöpfe ansprechender als  diese hässlichen schwarzen Plastiktöpfe, man sollte aber immer bedenken ob man damit den Pflanzen was Gutes tut.  Wenn man wieder die Bedürfnisse der Pflanzen in den Vordergrund rückt ist die Verwendung von Tontöpfen nicht wirklich nutzbringend. Über die Wand des Tontopfes wird so viel Feuchtigkeit verdunstet das die Pflanzen im Sommer das Wasser gar nicht so schnell aufnehmen können wie es über die Tonwand verdunstet.  Die Pflanzen legen ihre Saugwurzeln dadurch nur noch an die Innenseite der Tonwand und sind dann nur aus dem Topf zu bekommen, wenn man den Topf zerschlägt was aber wieder große Wurzelschäden nach sich zieht die zum Verlust der Pflanze führen können. Früher wurden natürlich auch Tontöpfe in den Gärtnereien genutzt wobei diese dann aber zu 2/3 Drittel in Erdreich eingelassen wurden um die Verdunstung zu verringern. Also wenn es schon so ein Topf sein soll dann sollte dieser zumindest auf der Innenseite glasiert sein.  Ein Topf sollte auch immer zu der Größe der Pflanze passen, er sollte werde zu groß noch zu klein sein.  Da ist halt wieder das lästig Thema mit dem umtopfen, aber auch das ist ein wichtiger Punkt wenn man lange Freude an seinen Pflanzen haben möchte. Alle 4-5Jahre sollte man seinen Pflanzen schon einen größeren Topf und frisches Substrat gönnen, was aber dann eigentlich eh nötigt ist, wenn diese gut gepflegt werden. Ganz wichtig ist das beim Umtopfen am Boden des Topfes ein Drainageschicht aus groben Steinen eingefüllt wird  bevor das eigentlich Substrat eingefüllt wird und das der Topf über entsprechend Abflusslöcher verfügt. Stehendes Wasser mag kein Kaktus und wenn Untersetzer verwendet werden, müssen diese spätestens am nächsten Tag nach dem gießen von dem überschüssigen Wasser befreit werden.

Nun zu guter Letzt noch ein kleiner aber nicht minder wichtiger Punkt. Kakteen vertragen zwar sehr hohe Temperaturen aber nur wenn hier für eine gute Belüftung gesorgt ist. Stehende Hitze ist tödlich für jede Pflanze und sogar die härtesten Mexicaner können dadurch verbrennen. Es gibt kaum was besseres für die Pflanzen im Sommer an der frischen Luft zu stehen und den Wind zu spüren.

Ich könnte jetzt noch viele weitere Seiten füllen aber ich glaube ich habe mich doch auf die Wesentlichen Sachen konzentriert wie ich am Anfang versprochen habe. Wer im Umgang mit Kakteen wirklich was lernen will sollte sich einfach mal ein gutes Kakteenbuch kaufen, hier wird dann auch auf die Themen bezüglich Ungeziefer, PH-Wert etc. ausführlich eingegangen. Ich hoffe alle versierten Kakteensammler werden mir verzeihen das ich diesen kleinen Ratgeber so einfach wie möglich geschrieben habe und ich habe mich selber manchmal dabei ertappt zu stark ins Detail gehen zu wollen.

Liebe Grüße und viel Freude mit euren Pflanzen !!!

Adolf Söldenwagner